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Mühlburg in Mühlberg

Mühlburg in Mühlberg

Die Burg Mühlberg, eine der drei Gleichen, ist wohl jedem Thüringer vertraut, weiten Kreisen Deutschlands wurde sie durch Gustav Freytags Roman „Das Nest der Zaunkönige" bekannt. Im Volksmunde Mühlburg genannt, ist sie eine der ältesten Burganlagen in Mitteldeutschland.
Im Jahre 704 wird sie zum ersten Male urkundlich erwähnt, als Herzog Heden II. die „Muleburg" dem Bischof Willibrod zu Utrecht schenkte.
Um 1000 taucht sie als Besitz der Grafen von Orlamünde wieder aus dem Dunkel der Geschichte. Im Jahre 1040 wird ein Graf Meinhard von Orlamünde als Besitzer der Mühlburg beurkundet. Seine Nachfolger nennen sich Grafen von Mühlberg. 1122 übereignet Meinhard die Mühlburg dem Erzbischof von Mainz und wird von diesem wieder mit der Burg belehnt. Der letzte dieser Grafen von Mühlberg, Meinhard V., war Mitglied der Gesandtschaft, die 1211 im Auftrage des Landgrafen Hermann I. die vierjährige Tochter des Ungarnkönigs Andreas, die spätere Heilige Elisabeth nach der Wartburg holte und nach dem 5.Kreuzzuge die Gebeine des Landgrafen Ludwig des Heiligen, Elisabeths Gatten, nach Reinhardsbrunn brachte. Trotz seines stets treuen Verhaltens gegenüber dem Kaiser und dem Landgrafen wurde er infolge eines Zerwürfnisses mit der Stadt Erfurt 1236 in die Acht erklärt, seines Lehens enthoben und nach'Belagerung und Eroberung der Mühlburg in die Gefangenschaft geführt. Er starb 1256.
Von 1236 an verwaltete das Erzbistum Mainz die Burg selbst, indem es Burghauptleute dort einsetzte.
Der ständige Geldbedarf der Kirchenfürsten gab der reichen und mächtigen Stadt Erfurt die Möglichkeit, die Mühlburg, deren sie zur Sicherung ihres Gebietes und der Zufahrtsstraßen bedurfte, 1357 nach Ablösung aller Verbindlichkeiten für 2400 Mark Silber zu erwerben. Allerdings behielt sich Kurmainz das Rückkaufsrecht nach Kündigung des Kaufvertrages vor. Erfurt bemühte sich, unter Einsatz bedeutender Mittel die Wehranlagen der Burg verteidigungsfähiger und die Unterkünfte geräumiger zu gestalten. Unmittelbar nach der Besitzergreifung dürfte die große steinerne Kemenate im vorderen Hofe erbaut worden sein. Der Wallgraben wurde vertieft, die Ringmauer erhöht und mit Wehrgängen und drei Wacherkern gekrönt um ein Angriff von der Schloßleite her durch Anlage eines zweiten Halsgrabens zu erschweren. Dann folgte die Errichtung einer mit Zinnen versehenen Zwingermauer in geringem Abstände von der ursprünglichen Ringmauer und zuletzt der Bau einer zweibogigen Steinbrücke über den Graben. Neu- und Umbauten erstreckten sich über einen Zeitraum von beinah 250 Jahren.
Als militärischer Befehlshaber wurde von der Stadt ein meist auf drei Jahre verpflichteter Schlosshauptmann bestellt, der zugleich auch als Richter und Verwaltungsbeamter für den umliegenden Bezirk tätig war. Die Stammbesatzung betrug zehn bis fünfzehn Mann, darunter einige Berittene. Sie konnte im Bedarfsfalle durch waffenfähige Einwohner aus dem nahegelegenen Mühlberg verstärkt werden. Die Bestückung der Burg mit größeren und kleineren, in den Wehrgängen und Türmen verteilten Feuerwaffen war laut Verzeichnis von 1528 nicht unbeträchtlich. Blanke Waffen und Schutzwaffen waren in der sogenannten Harnischkammer aufbewahrt. Aus der Reihe der Kommandanten tritt besonders Hermann von Hoff hervor, der dieses Amt von 1521 bis 1527 innehatte. Ein letzter Ritter, wohlerfahren in den Künsten seines Handwerks, aber auch ein Freund der Humanisten und Anhänger der Reformation, trat er mit Tatkraft für die Belange Erfurts ein. Seinem geschickten Verlangen gelang es, 1525 die aufständischen Bauern von gewalttätigen Handlungen gegen Erfurt und die Mühlburg abzuhalten.
Überraschend kündigte Kurmainz 1590 den Kaufvertrag von 1357. Erfurt konnte sich mit seinem Widerspruch nicht durchsetzen und musste die Burg 1592 dem Herzog von Weimar übergeben, der diese von Mainz auf 40 Jahre pfandweise übernommen hatte. Freilich besaß die Mühlburg zu dieser Zeit keinen Gefechtswert mehr, zudem hatten die Erfurter wohlweislich die Geschütze vor der Übergabe fortgenommen. Nunmehr als Verpflegungsmagazin dienend, wurde die Burg 1627 noch einmal von Wilhelm von Weimar besucht, der dort Tafel abhielt. Dies war das letzte bemerkenswerte Ereignis in ihrem Dasein.
Nach mehreren Pfändungen gelangte sie 1667 wieder zurück in die Hand von Mainz. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte man noch Ausbesserungen vorgenommen. Noch standen Mauern und Dächer unversehrt, wie zeitgenössische Skizzen zeigen. Von nun an aber fehlte die pflegende Hand, der Verfall trat ein und setzte sich rasch fort. Die Mühlburg teilte das Schicksal so vieler Burgen. Sie diente als Steinbruch, so dass sie bereits 1718 einem Trümmerhaufen glich. Im Jahre 1768 stürzte auch der viereckige Torturm mit donnerähnlichem Krachen in den Wallgraben.
Infolge der Säkularisation des Erzbistums Mainz kam die Ruine 1802 in die Hände des preußischen Staates, der sie 1815 dem General von Müffling als Geschenk überwies. In dessen Familie blieben die Reste der Mühlburg bis 1920.
Heute stehen von der einst so stolzen Burg ziemlich unversehrt nur noch die steinerne Zugangsbrücke und der alte runde Bergfried mit seinem ungeschickt renovierten Zinnenkranz. Die übrigen Mauerreste bilden ein nur schwer zu deutendes Trümmerfeld, so dass man sich hieraus kaum noch ein Bild von der ursprünglichen Anlage machen kann.
Es ist nun ein besonders glücklicher Umstand, dass in den Erfurter und Würzburger Archiven die anlässlich der verschiedenen Blitzwechsel angefertigten Übergabeprotokolle erhalten geblieben sind. Diese geben, ergänzt durch gleichfalls noch vorhandene Reparaturrechnungen, verhältnismäßig genaue Auskunft über Umfang, Ausführung und Einrichtung der einzelnen Wohn- und Wehrbauten. Robert Huth hat in seinem Büchlein „Die Mühlburg", Erfurt 1932, diese Dokumente, einige zeitgenössische Skizzen und einen später aufgemessenen Grundriss veröffentlicht. Diese Unterlagen ermöglichten eine Rekonstruktion und die Herstellung eines Modells, wie die Burg etwa um 1600 ausgesehen hat. Die Abbildung lässt deutlich erkennen, dass die Mühlburg als starke Bergfeste im ausgehenden Mittelalter ihrer Aufgabe, das umliegende Gebiet zu sichern, gerecht werden konnte.

Von Dr.-Ing. Willi. Weingart

Quelle: Informationstafel an der Burg. 

Mühlburg in Mühlberg

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Weblinks:

Wikipedia: Mühlburg

 

 
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